| Juli 2006
FEDAS-Jahrestagung 2006 in Neapel: Produktpiraten bekämpfen - Factory Outlets und Monomarkenstores der Industriepartner stören bewährte Vertriebspartnerschaften
Neapel „Als Fedas wenden uns energisch gegen die auf allen Angebotsfeldern zunehmende Produktpiraterie, von der auch unsere Branche nicht verschont ist. Hier müssen nicht nur die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch die entsprechenden Kontrollen auf allen Ebenen verschärft werden. Nur so wird garantiert, dass die Käufer von Sportartikeln und Sportmode tatsächlich die Markenware in der Qualität erhalten, die sie für den Preis auch erwarten können. Der europäische Fachhandel leistet mit seinem Angebot hier einen nicht zu unterschätzenden Beitrag, den Markt von solchen Fälschungen freizuhalten. Beim Angebot der Billigkonkurrenz kann das nicht immer vorausgesetzt werden“, so formulierten Fedas-Präsident Werner Haizmann aus Stuttgart und Generalsekretär Claude Benoit in der Jahresversammlung der Fedas, des europäischen Dachverbandes des Sportfachhandels, Ende Mai in Neapel eines der aktuellen Anliegen der europäischen Händlerschaft. In seinem Rechenschaftsbericht ging Fedas-Präsident Werner Haizmann, der zugleich auch Präsident des deutschen Händlerverbandes VDS ist, zunächst auf die in Europa erfreuliche Umsatzentwicklung beim Sportfachhandel ein, die sich, bedingt durch eine gute Wintersaison und durch die Umsätze zur Fußball-WM, gut gestaltet und von der man hofft, dass sie bis Ende des Jahres 2006 und darüber hinaus anhält. Die gemeinsame Arbeit an der Weiterentwicklung des Fedas-Warengruppenschlüssels ist nach wie vor eines der Aushängeschilder des Verbandes. Hier gilt der Dank besonders Generalsekretär Claude Benoit, der, auch als Präsident des Schweizer Kollegenverbandes Asmas, zusammen mit seinem Expertenteam eine vorzügliche und richtungsweisende Arbeit abliefert. „Alle Mitgliedsverbände der Fedas sind stolz darauf, dass der Fedas-Warengruppenschlüssel aus den EDV-Lösungen der Branche nicht mehr wegzudenken ist. Damit haben wir als Fedas unsere unverwechselbare elektronische Warenbibel geschaffen.“ Nach wie vor freut sich die Fedas darüber, dass der europäische Sportfachhandel mit der traditionsreichen ispo in München im Sommer und im Winter über die größte Fachmesse der Welt verfügt, bei deren Gründung der Deutsche Verband VDS Pate gestanden hat. „Wir fördern diese Messe seit der Gründung unseres Verbandes kräftig, nicht aus Eigennutz, sondern weil wir alle stolz darauf sind, dass wir im Herzen Europas auch die weltbeste Sportartikelfachmesse besitzen. Wir können aber immer noch nicht verstehen, dass sich langjährige Markenpartner, die ihren Erfolg auch der konsequenten Arbeit des europäischen Sportfachhandels verdanken, von dieser Weltmesseveranstaltung und vor allem von ihrer Sommerausgabe verabschieden. Umso mehr freuen wir uns, dass es immer noch hervorragende mittelständische Unternehmen gibt, die die ispo als Plattform für ihren Absatzkanal Fachhandel vorzüglich nutzen. Deshalb danken wir unserem Messepartner in München für all die wichtigen Marketingaktivitäten, mit denen er den Auftritt dieser Unternehmen unterstützt. Wir von der Fedas werden auch weiterhin alles in unserer Kraft Stehende tun, die Weltmesse ispo im Sinn des einzigen bedeutenden Branchentreffs unserer globalisierten Branche zu fördern.“ So kommentierten Fedas-Präsident Werner Haizmann und Fedas-Generalsekretär Claude Benoit unter dem Beifall der Versammlung den Standpunkt des Verbandes zum Thema „Branchenmesse“.
Bei der Fedas müssen sich deren Mitglieder, so wurde es bei der vom italienischen Verband Federadas unter Leitung seiner Mitglieder Enzio Pisapia, Hans Hellweger und Enrico Rossi ausgezeichnet organisierten Versammlung deutlich gemacht, seit Jahren schon mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Konzentration nicht nur auf Industrie-, sondern auch auf der Handelsseite zunehme. Präsident Werner Haizmann: „Als Händler könnten wir uns über diese Situation freuen. Zeigt sie uns doch, dass man beim Verteilen von Sportartikeln und Sportmode in der Fläche nicht ohne die ‚Multilabel Sportfachgeschäfte’ auskommt, die unsere Mitglieder in großer Zahl haben. Im Kampf gegen die zunehmende Tendenz unserer Industriepartner, ihre Markenprodukte an uns vorbei in eigenen Monomarkenshops anzubieten, ist das eine nicht zu unterschätzende Waffe. Hört man doch gerade aus den Kreisen der großen Player, dass man in nächster Zukunft eigene Einzelhandelsumsätze in Höhe von 10 bis 15 Prozent des Gesamtumsatzes erzielen will. Mit der Konzentration auf die großen Anbieter verschärft sich aber die Situation für die kleineren und mittleren Sportfachgeschäfte in Europa entsprechend. So werden allein von fünf nationalen oder internationalen Anbietergruppen auf Handelsseite mehr als 50 Prozent des gesamten europäischen Fachhandelsumsatzes von rund 37 Milliarden Euro erzielt. Dazu kommt, dass 90 Prozent dieses Fachhandelumsatzes in Europa in sechs Ländern erzielt werden. In Deutschland allein bestreiten die Top 5 der Sportfachhandelsrangliste 93 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 7 Milliarden Euro. 53 Prozent allein die deutsche Intersport. In Frankreich und Italien dominieren die Gesamtumsätze Decathlon mit 31 beziehungsweise 20 Prozent. In Frankreich und Deutschland unterscheiden sich also Angebots- und Konzentrationsform erheblich. Bei den Umsatzzuwächsen im Einzelhandel hatte im Jahr 2005 Spanien mit einem mehr als vierprozentigen Umsatzwachstum die Nase vor Großbritannien und Frankreich vorn.“ Beim Thema „gesamteuropäische Preise“ forderten Präsident Haizmann und Generalsekretär Claude Benoit erneut bessere Einkaufskonditionen. „Wir wollen keinen einheitlichen Europapreisen der Industrie das Wort reden, wie sie eigentlich für den Wirtschaftsraum der 25 EU-Länder und der Schweiz mit mehr als 320 Millionen Verbraucher angemessen wären. Wir müssen uns aber mit aller Macht öffentlich dafür stark machen, dass wir als europäischer Sportfachhandel mit besseren Einkaufskonditionen bedient werden als bisher. Man hat nämlich den Eindruck, dass die Hartleibigkeit in dieser Frage auch ein Ausdruck dafür ist, dass die großen Markenartikler mit eigenen Geschäften am europäischen Markt kräftig mitmischen wollen. Dort wird von Umsatz- und Gewinnzuwächsen von mehr als zehn Prozent pro Jahr geredet und wir als Sportfachhändler müssen uns mit Gewinnzuwächsen, wenn überhaupt, am unteren Ende des einstelligen Bereichs bewegen.“ Nach wie vor wird die Fedas auch in Zukunft alles versuchen, den wachsenden Einfluss der echten und unechten Factory Outlets in Europa zurückzudrängen. Gleichzeitig werde man als Verband beobachten, wie sich in den nächsten Jahren beim Umsatz die Relation Industriemarke versus Exklusivmarken der Handelsgruppen weiter entwickelt. So setzt Decathlon in Frankreich bereits auf 50 Prozent Eigenmarken, die Intersport in Deutschland realisiert 17 Prozent des Umsatzes mit diesen Produkten. „Hier müssen wir generell fragen, wo wir als Fachhändler in unseren Vertriebsstrategien stehen: wollen wir starke nationale oder internationale Industriemarken mit hohem Image und schmaler Marge verkaufen, die uns auch oft mit eigenen Geschäften Konkurrenz machen, oder setzen wir stärker im Vertrieb auf Exklusivmarken unserer Handelsgruppen, die für uns eine sehr gute Bruttomarge und für den Verbraucher einen hohen Gebrauchswert und ein gutes Preis/Leistungsverhältnis haben?“ So schloss Präsident Werner Haizmann seinen Arbeitsbericht. Er wurde von den Geschäftsberichten der einzelnen Fedas-Mitgliedsländer ergänzt, verbunden mit einem Blick auf die Entwicklung in den jeweiligen Märkten. Für den VDS lieferte zum ersten Mal Verbandssekretär Diplom-Sportökonom Jens Forstmann Arbeit und Ausblick des VDS in einer Powerpoint-Präsentation ab. Seine Kollegen begrüßten den neuen Mann aus Deutschland entsprechend herzlich.
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